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Aargauer Zeitung, 05.11.2001

Ein Fischsaurier zum Museumsjubiläum

Von: Geri Hirt

Sauriermuseum Frick - 190 Millionen Jahre alter Schädel eines Fischsauriers als neustes Ausstellung-sobjekt

Das 10-Jahr-Jubiläum des Sauriermuseums in Frick wurde zu einem besonderen Anlass: Der Übergabe eines Fischsaurier-Schädels (Ichthyosaurus), der zwischen 190 und 200 Millionen Jahre alt sein dürfte. Dieses präparierte Ausstellungsobjekt stellt eine weitere Bereicherung des kleinen, aber feinen Museums dar.
Ein Jahrzehnt - die Zeitspanne seit der Gründung des Sauriermuseums - sei ein verschwindend kleiner Zeitraum, wenn man bedenke, dass vor 65 Mio. Jahren Saurier diese Gegend bevölkerten, sagte Gemeinderätin Ruth Picard, Präsidentin der Saurierkommission. Man dürfe aber stolz sein, dass das Museum eine solch grosse Beachtung gefunden haben, wie die Besucherzahlen von insgesamt 60 000 Personen zeigten. Dank vielen Donatoren und Sponsoren dürfe das Sauriermuseum viele Exklusivitäten beherbergen. Das neuste Ausstellungsobjekt, ein Ichthyosaurus-Schädel, stellte Hans Hartmann aus Pratteln zur Verfügung, der das Objekt in der Tongrube Frick im Herbst 1999 ausgegraben hat. Sie müsse ehrlich gestehen, dass dieser Fund für sie zuerst als ein Stück Stein angesehen worden sei, sagte Ruth Picard. Erst aufgrund der Erklärungen von Fachleuten habe sie die Zähne und den Kiefer entdeckt. Nicht erstaunlich, dass dieses Eingeständnis bei nicht wenigen Vernissage-Gästen zustimmendes Kopfnicken auslöste . . .

Die Präparation des Ichthyosaurus-Schädels durch den Paläontologen Ben Pabst aus Zürich wurde durch Beiträge von Hans Holenweg aus Pratteln sowie der Schweizerischen Mineralienfreunde, Sektion Basel, mitfinanziert, sodass der Restbetrag via Budget abgewickelt werden konnte. Ben Pabst, der als Präparator auch das Sauriermuseum Aathal betreut, wendete 100 bis 120 Stunden auf.

Mit einer musikalischen Einlage «Der letzte Ichthyosaurus», vorgetragen von Rico Biaggi (Gesang) und Annemarie Meier (Cello), wurde auf humorvolle Art die Feier umrahmt.

Fischsaurier - einst der Delfin des Meeres
Professor Hans Rieber, ein bekannter Saurierforscher sowie Mitglied und Berater der Fricker Saurierkommission, referierte an der Vernissage über das Leben und Vorkommen der Fischsaurier oder Ichthyosaurier. Was heute die Delfine unter den Säugetieren sind, das waren zur Zeit des Erdmittelalters die Fischsaurier unter den damaligen Reptilien, den Sauriern. Ihre Körperform ist heute aufgrund einer grosser Zahl gefundener vollständiger Skelette recht gut bekannt. Die Ichthyosaurier waren hochgradig an eine schwimmende Lebensweise im Meer angepasst. Ihr stromlinienförmiger Körper verfügte über eine senkrecht gestellte Schwanzflosse. Zusätzliche, paddelförmige Vorder- und Hinterflossen, die Finger- und Zehenglieder aufweisen, dienten in erster Linie der Steuerung. Wie andere Reptilien atmeten die Fischsaurier durch die Lunge, sodass sie von Zeit zu Zeit - den heutigen Walen gleich - auftauchen mussten, um Luft zu holen. Die erdgeschichtlich ältesten Fischsaurier-Reste lassen sich rund 245 Millionen Jahre zurückdatieren, die jüngsten Fischsaurier-Funde sind rund 90 Millionen Jahre alt. Daraus lässt sich ableiten, dass die Fischsaurier in der Erdgeschichte erheblich früher ausstarben als die Dinosaurier, die vor 65 Millionen Jahren aus unbekannten Gründen von der Erde verschwanden. Professor Rieber bezeichnete den in Frick gefundenen Ichthyosaurier-Schädel als «einen sehr seltenen Fund».

Bereicherung und Aufwertung
Damit steht fest, dass das Sauriermuseum Frick mit dem neusten Ausstellungsobjekt eines Fischsaurier-Schädels eine Bereicherung erfahren hat, welche zu einer weiteren Attraktivitätssteigerung beiträgt. Im Rahmen der Übergabefeier dankte Gemeindeammann Toni Mösch der Präsidentin der Saurierkommission, Ruth Picard, für ihren engagierten Einsatz. Da Ruth Picard auf eine Wiederwahl in die Gemeindebehörde verzichtet hat, bildete die Feier einen schönen Schlusspunkt ihrer Tätigkeit.