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Bezirksanzeiger, 14.01.2010

Erfolgreiche Grabungssaison 2009 - Raubdinosaurier-Schädel und Schildkröte aus der späten Trias von Frick

 

(pd) Auf dem Gemeindegebiet von Frick liegt eine der ergiebigsten Dinosaurier-Fundstellen Europas. In diesem Jahr konnten erneut sehr wichtige Fossilien für die Wissenschaft gesichert werden. Dazu zählen der spektakuläre Fund eines Raubdinosaurier-Schädels und der für Frick erste sichere Nachweis einer Schildkröte.

In Frick werden regelmässig mehr als 200 Millionen Jahre alte Reste von Dinosauriern geborgen. Hauptlokalität ist die Grube Gruhalde der Tonwerke Keller AG. In letzter Zeit sind entsprechende Fossilien aber auch bei Neubauprojekten am «Frickberg» vermehrt gefunden worden. Seit einigen Jahren organisiert und begleitet die Saurierkommission der Gemeinde Frick im Vorfeld industrieller Abbauetappen der Tonwerke Keller AG in der Tongrube beziehungsweise bei privaten Neubauprojekten in einer bestimmten Zone am Frickberg wissenschaftliche Abklärungen im Hinblick auf die Fossilführung der angefahrenen Schichten.
So sollen Überraschungsfunde von fossilen Wirbeltieren und damit Notgrabungen vermieden werden, da letztere bei hohem Zeitdruck unbefriedigende Resultate ergeben können. Falls bei den Vorabklärungen im Gelände Wirbeltier-Reste entdeckt werden, die für die paläontologische Forschung wichtig sind, wird eine ordentliche, wissenschaftliche Grabung angesetzt. Die Fricker Fossilgrabungen werden im Wesentlichen durch grosszügige Unterstützung des Kantons Aargau aus dem Lotteriefonds finanziert.
Im Jahr 2009 wurden insgesamt drei wissenschaftliche Grabungen durchgeführt: Zwei in der Tongrube Gruhalde, eine weitere Kampagne bei einem Bauprojekt am Frickberg. Im Verlauf der Geländearbeiten konnte Material von etwa fünf neuen Individuen der in Frick gut dokumentierten, pflanzenfressenden Dinosaurier-Gattung Plateosaurus geborgen werden. Weiter fanden sich ein Raubdinosaurier-Schädel sowie eine Schildkröte.

Sensationsfund aus der Trias-Zeit
Der Schädel eines kleinen Raubdinosauriers ist der eigentliche Sensationsfund. Er ist wissenschaftlich von grosser Bedeutung, da gut erhaltene Schädelreste dieser Reptilien einerseits selten sind; andererseits liefern aber gerade sie besonders viele Informationen zur systematischen Stellung sowie zum Aussehen und zum Nahrungsspektrum eines Wirbeltieres.
Vermutlich gehört der Schädel zu demselben Raubdinosaurier, von dem bereits 2006 namhafte Teile des Körperskeletts geborgen werden konnten. Nach den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen handelt es sich bei dem 2006 bekannt gewordenen Raubdinosaurier um ein junges Männchen aus der Familie Coelophysidae. Mit dem jetzt aufgefundenen Schädel wäre die Morphologie einer weiteren, sehr wichtigen Skelettregion des Fricker Raubdinosauriers bekannt und die Lebensrekonstruktion dieses Dinosauriers wäre noch besser abgestützt. Weiter wäre der Fricker Raubdinosaurier eindeutig das vollständigste entsprechende Fossil aus der Trias-Zeit Europas.

Schildkröten-Reste entdeckt
Bei der Grabung am Frickberg gelang ein weiterer sensationeller Fossilfund. Es konnten umfangreiche Skelettreste einer grossen Schildkröte geborgen werden, deren Panzer auf eine Länge von etwa 60 Zentimeter geschätzt wird. Ähnliche Schildkröten sind aus verschiedenen Fundstellen Deutschlands, auch in Verbindung mit Plateosauriern, bekannt. Sie gehören mit zu den ältesten Schildkröten, zeigen aber bereits die typischen Merkmale dieser Reptilgruppe.
Die wichtigsten Funde (Raubdinosaurier-Schädel, Schildkröten-Reste) der diesjährigen Grabungssaison sollen demnächst präpariert und damit einer wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich gemacht werden. Anschliessend werden die Fossilien in das Sauriermuseum Frick überführt und ausgestellt. Das Sauriermuseum Frick, Schulstrasse 22, ist jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Unsere Bilder:
Oben: Sensationsfund - Schädelrest des Raubdinosauriers
Unten: Fossilfund einer Schildkröte (Fotos: Dr. Ben Pabst)