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Basler Zeitung, 26.10.1999

«Frick ist stolz auf seine ältesten Bewohner»

 

Neustes Ausstellungsstück im Sauriermuseum in Frick ist ein Plateosaurus-Relief. Es zeigt den pflanzenfressenden Dinosaurier, wie er zu Lebzeiten vor 200 Millionen Jahren die Tongruben von Frick durchstreift hat. Das Relief ist aus Skelett-Stücken von drei Dinos zusammengestellt.

Frick. dfm. Funde von Dinosauriern sind in der Schweiz selten. Nur in Frick weiss man kaum wohin mit den guterhaltenen Knochenfunden der 200 Millionen Jahre alten Urechsen. Der Saurierspezialist und Restaurator Ben Pabst hat in den letzten acht Monaten auf Initiative der Saurierkommission und des Gemeinderates die besterhaltensten Knochenteile zu einem kompletten Plateosaurierskelett zusammengefügt. «Wir Fricker sind stolz auf unsere ältesten Bewohner, aber sie halten uns auch ganz schön auf Trab», scherzte Gemeinderätin Ruth Picard anlässlich der Einweihung des prachtvollen Reliefs in den Museumsräumlichkeiten.

Zurück in die Tongrube?
Die Funde, welche, in Gipsblöcke gebettet, zur Lagerung in verschiedenen Räumen der Gemeinde schlummerten, mussten aus Platzgründen «entsorgt» werden. - Zurück in die Tongrube? Zum Glück fanden Fachleute und Behörden eine andere Lösung. Private Sponsoren, die Kulturförderung Migros und Coop, Kanton und Gemeinde stellten die nötigen 50'000 Franken für die Präparation zur Verfügung.

Der Präparator Ben Pabst verglich die Arbeit mit dem Tunnelbau: «Wir mussten immer wieder auf Überraschungen reagieren. Nicht ganz einfach war beispielsweise das Härten der Knochen, die durch den Druck der Gesteinsschichten stark flachgedrückt sind.» Noch fehlen am Relief einzelne kleinere Hals- und Bauchrippen, die Hintergrundstruktur muss noch verbessert und auch die Kopfhaltung korrigiert werden.

Aus drei mach eins
Rund 80 Prozent des 5,3 Meter langen Skeletts sind auf Kunststoffplatten, die die Fundumgebung simulieren, zusammengestellt. Die Skelett-Teile stammen von drei verschiedenen Exemplaren und zeigen den Vorläufer der grossen Dinosaurier, so wie er sich zu Lebzeiten präsentiert hat. An anderen Fundstücken im Museum konnte der Besucher bis jetzt die Einbettungslage in der Ablagerungsschicht betrachten, wie sie sich nach dem Tod der Tiere ergab. Die typische Konservierung in Bauchlage mit den bis zu 50 Zentimeter tief in die Sedimentschichten nach vorne gedrückten Hinterbeinen lassen Fachleute darauf schliessen, dass die Tiere im zähen Schlamm steckengeblieben und verendet sind.

In seinem Referat wies Professor Hans Rieber, Leiter des Paläontologischen Instituts der Uni Zürich darauf hin, dass zwar in der Schweiz viele versteinerte Spuren und einzelne Knochen (unter anderem Niederschönthal bei Füllinsdorf) gefunden wurden, ganze Exemplare und zusammenhängende Knochenteile wie in Frick aber äusserst selten seien. «Dies machte sie zu der bedeutendsten Fundstelle Europas und erklärt auch, weshalb sich sogar amerikanische Dinosaurierspezialisten für die Fricker Saurier interessieren.»

Ruhe wird auch in Zukunft im Museum nicht einkehren. Das Relief soll zum Fototermin in seine natürliche Umgebung gebracht werden. Bereits wartet der Fund eines Ichtiosaurus-Schädels auf seine Behandlung. Und ausserdem plant die Saurier-Kommission im nächsten Jahr die Auflage einer neuen Broschüre. Das werden die rund 10'000 Besucher, welche pro Jahr das von Kurt Wettstein betreute Museum besuchen, zu schätzen wissen.