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Aargauer Zeitung, 25.10.1999

Plateosaurier hängt als Relief an der Wand

 

Frick: Skelett von urzeitlichem Riesen von Wissenschafter präpariert und im Sauriermuseum ausgestellt

Die ältesten Fricker sind vor etwa 210 Millionen Jahren im Schlamm stecken geblieben und ums Leben gekommen: Saurier, deren Überreste als Versteinerungen in der Tongrube erhalten geblieben sind. Aus den Knochen hat Präparator Ben Pabst ein Relief zusammengefügt. Seit Freitag befindet sich das Skelett eines Plateosauriers im Sauriermuseum.
Fasziniert sind die Menschen von den Dinosauriern seit der Entdeckung von versteinerten Knochen solcher Riesen aus der Urzeit. Der Wissenschafter Ben Pabst aus Zürich hat durch das Zusammenfügen von Überresten eines Plateosaurus dem Sauriermuseum in Frick zu einem neuen Exponat von stattlicher Grösse verholfen: 5,3 Meter lang ist das von ihm präparierte Relief, welches im Untergeschoss des Schulhauses 1912 an der Wand des Museums aufgehängt worden ist. Die für das Relief verwendeten Knochen stammen von drei Sauriern, die im Umkreis von 5 bis 6 Metern beieinander lagen. Ausgegraben wurden die Teile 1988 in der Fricker Tongrube unter der Leitung des Saurierforschers Martin Sander im Rahmen einer Grabungskampagne der Organisation "Earth Watch". Die Fossilien wurden in grossen Gipsblöcken geborgen und im alten Feuerwehrmagazin deponiert. Im Herbst 1996 begann Ben Pabst mit der Vorbereitung der Knochenfunde, indem er die Teile aus dem Gips löste und einzeln härtete. 1997 schlug der Wissenschaftler vor, ein Plateosaurierrelief anzufertigen, weil eine solche Darstellung dieser Spezies bisher noch fehlte.

In einer rund 8 bis 9 Monate dauernden Arbeit ist im Sauriermuseum Aathal, wo für die Präparation Gastrecht gewährt wurde, ein imposantes Werk entstanden, welches insgesamt etwa 200 Kilogramm wiegt. Wie Ben Pabst der AZ gegenüber erläuterte, besteht die ganze Konstruktion aus verschiedenen Blöcken, die auf einem Brett ruhen. Unter Verwendung von Schaumstoff und dem Abguss des Originalfundortes, auf dem die Knochen befestigt sind, ist das Relief entstanden. "Es ist mit der Präparation so, wie beim Tunnelbau - man erlebt immer wieder Überraschungen. Etwa dann, wenn der Leim nicht vollständig in die Teile eindringt und die fragilen Knochen dann bersten." Einer der Saurierfüsse ist frei beweglich; viele Teile werden von Drähten zusammengehalten. Wie der Präparator feststellte, sind die Knochen in den Millionen von Jahren, in denen sie in der Tongrube ruhten, auf einen Viertel ihres ursprünglichen Volumens zusammengedrückt worden.

Ben Pabst erklärte, dass er auf der Suche nach Fossilien in den sechziger Jahren erstmals in die Fricker Tongrube gekommen war. Erste Saurierknochen seien 1976 an einer Abbaustelle in der Grube entdeckt worden. Das erste Sauriermuseum, welches auf dem Firmenareal der Tonwerke Keller AG errichtet werden konnte, hatte Pabst 1978 aufgebaut.

Wie Gemeinderätin Ruth Picard, Präsidentin der Saurierkommission Frick, an der Einweihung des Saurierreliefs festhielt, seien die Fricker stolz auf ihre ältesten Bewohner. Doch wüssten jene Leute, die sich intensiver mit den Sauriern befassen, dass sie diese Kolosse auf Trab hielten. "Von früheren Grabungen lagerten in verschiedenen Räumen der Gemeinde noch unzählige Knochen. Oft wurde ich an Gemeinderatssitzungen ermahnt, diese Knochen endlich aufzuräumen. Die Idee von der Herstellung eines Reliefs wurde im Ratskollegium mit Begeisterung aufgenommen. Doch die Kosten von rund 50 000 Franken für die Präparation mussten auf dem Sponsorenweg zusammengetragen werden", sagte Ruth Picard.

Über Saurier, die ausgestorbenen Vertreter der Reptilien oder Kriechtiere in der Urzeit, machte an der Reliefeinweihung ein prominentes Mitglied der Fricker Saurierkommission bemerkenswerte Ausführungen: Professor Hans Rieber, Leiter des Paläontologischen Instituts und Museums der Universität Zürich, betonte, die in den letzten 25 Jahren in der Fricker Tongrube entdeckten Skelettreste gehörten zu den Dinosauriern. Sie beherrschten von der jüngeren Trias, vor rund 205 Millionen Jahren, bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren das Festland. "Bei den Dinosaurierfunden von Frick handelt es sich um noch zusammenhängende Skelettteile und um ein vollständiges Skelett der Gattung Plateosaurus im ursprünglichen Verband. Sie stammen aus dem oberen Mittelkeuper, aus den sogenannten Oberen Bunten Mergeln. Die Saurier erreichten eine Länge von knapp 10 Metern und waren in Mitteleuropa in der jüngsten Trias ziemlich verbreitet", schilderte der Professor. Diese Pflanzen fressenden Saurier lebten in grösseren Herden und durchstreiften auf der Suche nach Nahrung weite Gebiete.

Weltweit wertvollste Fundstelle von Plateosauriern in Frick
Bei den in den Jahren 1976 bis 1991 in der Fricker Tongrube freigelegten Skelettresten handle es sich um die umfangreichsten und wertvollsten Funde dieser Art weltweit, wie Professor Rieber erklärte. Als Sensation gelte das 1985 entdeckte und vollständig erhaltene Skelett eines noch nicht ausgewachsenen Plateosauriers. Neben diesem 5 Meter langen Saurier seien in der Tongrube noch einige zusammenhängende Versteinerungen von Körperabschnitten entdeckt worden; zum Beispiel ein hinterer Körperabschnitt, bestehend aus Becken, Hintergliedmassen und Schwanz. "Mit diesen Funden und vielen Knochen, die nicht mehr im ursprünglichen Verband lagen, ist die Tongrube Frick mit einem Schlag zu der gegenwärtig reichsten Fundstelle von Plateosauriern geworden", stellte Professor Rieber fest.

Welchen Nutzen zieht die Paläontologie, die Lehre von den Lebewesen vergangener Erdperioden, aus den Funden in Frick? Dazu Professor Rieber: "Das vollständige Skelett und die grösseren Knochenteile sowie der gefundene Schädel erweitern die Kenntnisse über das Aussehen dieser Dinosaurier bedeutend. Deshalb wurde bei der Bergung der Versteinerungen und bei der Präparation der Knochen darauf geachtet, dass deren ursprüngliche Lage im Gestein nicht verändert oder wenigstens genau festgehalten wurde. Denn aus der Fundlage kann geschlossen werden, wie diese Tiere einst eingebettet worden sind und wie die Saurierlagerstätten entstanden sind", so Professor Hans Rieber.

Schlamm als Saurierfalle
Im Anschluss an eine vor 8 Jahren in der Tongrube durchgeführte Grabung wurde die sogenannte Taphonomie untersucht. Das sind die Vorgänge vom Tod eines Lebewesens über die Einbettung dessen Reste im Sediment bis zur Entstehung des Fossils. Bei einem in Bauchlage vorgefundenen Skelett war zu sehen, wie die Hinterbeine mit den Füssen einen halben Meter tiefer im Gestein steckten als das Becken und der Rumpf. Daraus ist zu schliessen, dass die Tiere im zähen Schlamm stecken geblieben waren, schliesslich starben und dann eingebettet wurden. Diese Schlammfallentheorie erklärt auch, weshalb nur Reste von grösseren Tieren gefunden werden konnten. Knochen von kleineren Sauriern fehlen bisher, weil ja die leichteren Saurier wegen ihres geringeren Gewichts nicht eingesunken waren. Die Paläontologie beschreibt den Lebensraum der Plateosaurier als weite, flache Schwemmebenen, wo sich bei periodischen Regenfällen in den tiefer liegenden Bereichen Wasser ansammelte und das feine Sediment aufweichte. Solche Schlammtümpel konnten für grössere Plateosaurier zur tödlichen Falle werden. (chr)