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Aargauer Zeitung, 25.05.2008

«Der Raubsaurier-Fund ist eine Weltsensation»

Von: Geri Hirt

Privatdozent Dr. Winand Brinkmann berichtete über die Forschungsgeschichte und das Forschungspotenzial der Tongrube Gruhalde in Frick.

Der im Jahr 2006 in der Fricker Tongrube Gruhalde entdeckte Raubsaurier ist von sehr hohem wissenschaftlichem Wert. Winand Brinkmann, Privatdozent am Paläontologischen Institut und Museum der Universität Zürich, sprach von einer «Weltsensation».

Die Fricktalisch-Badische Vereinigung für Heimatkunde hat für die Jahresversammlung im Kornhauskeller in Frick mit Privatdozent Winand Brinkmann eine Kapazität im Bereich der Dinosaurier-Forschung verpflichtet. Er ging in seinem interessanten Referat auf die Geschichte der Fossilienfunde in der Gruhalde und deren wissenschaftliches Potenzial, insbesondere in Bezug auf die Dino-Forschung, ein. «Die obere Bunte Mergelschicht, die klassische Fundschicht von Dinosaurier-Knochen, hat die Gruhalde weltbekannt gemacht», sagte Winand Brinkmann als Einstieg. Er unterstrich die Wichtigkeit von Teilfunden oder ganzer Skelette für die Forschung. Anhand der Knochen und Skelette lasse sich die Muskelmasse rekonstruieren und nach nahen Verwandten suchen, sodass sich schliesslich ein eigentliches Lebensbild ableiten lasse. «Der Fund eines Raubsauriers im Jahr 2006, bisher der einzige Fund dieser Art in der Schweiz, war die grosse Sensation», sagte Brinkmann.

In der Fricker Gruhalde wird ein grosses Potenzial in Bezug auf die Dinosaurier-Forschung vermutet (im Bild Ben Pabst und sein Team). CHR (ARCHIV)In der Fricker Gruhalde wird ein grosses Potenzial in Bezug auf die Dinosaurier-Forschung vermutet (im Bild Ben Pabst und sein Team). CHR (ARCHIV)

Die Tongrube Gruhalde ist besonders reich an wirbellosen Tieren, aber auch an Wirbeltierresten wie Ichthyosauriern und Fischen. Die Plateosaurier lebten am Ende der Trias-Zeit auf dem Festland. In der folgenden Epoche war Frick vom Meer überdeckt, wie die entsprechenden fossil erhaltenen Tiere beweisen.

1961 Dinosaurier entdeckt
Die Dino-Vorkommen in der Gruhalde sind im Jahr 1961 von Ernst Wälchli, dem Vater von David Wälchli, der heute als Grabungsleiter bei der Kantonsarchäologie tätig ist, entdeckt worden. Doch es dauerte bis 1972, bis die gefundenen Knochen als Dinosaurier identifiziert und wissenschaftlich bestimmt wurden. In der Folge fanden in verschiedenen Zeitabschnitten Grabungen statt. Von 1976 bis 1979 wurden solche auf privater Basis von Oberli und dem Meeresbiologen Ben Pabst vorgenommen. Es folgten weitere Grabungen, so 1984 durch die Universität Zürich. 1985 wurde ein vollständiges Dino-Skelett gefunden, das heute in Originalfundlage im Sauriermuseum in Frick besichtigt werden kann.

Raubsaurier wertet Frick auf
Seit dem Fund des Raubsauriers im Jahr 2006 sind in der Gruhalde weitere vereinzelte Zähne dieser Spezies gefunden worden, was sehr selten ist. «Diese Funde erhöhen international den paläonthologischen Wert der Gruhalde», sagte Winand Brinkmann. Die Ausgrabung eines Raubsauriers «ist eine Weltsensation, das ist wirklich toll». Brinkmann fügte bei: «Der Fund dieses Raubsauriers ist von hervorragender wissenschaftlicher Bedeutung.» Er wies darauf hin, dass die vorhandenen Skelettregionen verschiedenen Untersuchungen unterzogen wurden, so auch mittels thermischen Neutronen- und Röntgenstrahlen in der Neutra-Anlage des Paul-Scherrer-Instituts in Villigen. Daraus resultierten hochauflösende Bilder. So konnte selbst der Mageninhalt mit verschiedensten Kleintieren eruiert werden.

Im Rahmen von Neubauten am Frickberg hat sich 2007 gezeigt, dass die Ausdehnung des Dinosaurier-Lagers sehr viel grösser ist, als bisher angenommen wurde. So dürften künftig auch von dieser Talseite noch einige neue Erkenntnisse zu erwarten sein.

«Die besten Funde»
Brinkmann bezeichnete die Fricker Funde «als die besten in der Schweiz». Das Wertvolle an der Gruhalde sei, dass diese kontinuierlich abgebaut werde, andererseits die Tatsache, dass sowohl die Tonwerke Keller als auch die Gemeinde Frick die paläonthologischen Aktivitäten unterstützen. «Die Gruhalde mit ihren Fossilien ist sehr bedeutend ? und ein Ende ist noch nicht abzusehen», schloss Brinkmann seine Bilanz.