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Basler Zeitung, 26.03.2001

Fricker Dinosaurier trotzt dem Verkehr

 

Rund 380 Kilogramm schwer und über drei Meter gross ist der Dinosaurier, der seit Samstag den neuen Fricker Kreisel schmückt. Der Aargauer Baudirektor Peter Beyeler sprach bei der Einweihungsfeier vom schönsten Kreisel im Kanton.

Der Saurier lockte bei seiner Enthüllung viele Schaulustige an. Foto Peter LarsonDer Saurier lockte bei seiner Enthüllung viele Schaulustige an. Foto Peter Larson

Frick. och. Unbeweglich steht er da, den Oberkörper mit Hilfe seiner kräftigen Hinterbeine aufgerichtet, im trostlosen Niemandsland des Trias, lange Zeit vor unserer Zeitrechnung. Damals war das Fricktal noch ein Schlammloch und die Pflanzen fressende Riesenechse aus Fleisch und Blut. Der Plateosaurus hält den Kopf leicht zur Seite geneigt, so als ob er einen Moment lang zögere und überlegt, welchen Weg er nun einschlagen soll. Dann, so könnte die Geschichte weitergehen, wankt der noch nicht ganz ausgewachsene Saurier weiter zur Tongrube, wo es die saftigsten Farnkräuter der ganzen Umgebung gibt. Beim Versuch, nach einem dieser unendlich zarten, vom Tau noch feucht glitzernden Leckerbissen zu schnappen, gleitet er aus, kann sich mit seinen kurzen Vorderbeinen nirgends halten und verschwindet langsam im Moor.

Frick als Dino-Dorf
200 Millionen Jahre sind vergangen und der Plateosaurus hat seinen metallverschweissten Körper wieder aufgerichtet. Da steht er nun - sockelhoch. In Frick fand am letzten Samstag ein kleines Fest zu Ehren des berühmtesten Fricktaler Dinosauriers statt. In monatelanger Arbeit hat der Effinger Künstler Daniel Schwarz einen Plateosaurus aus lauter kleinen Metallplatten geschaffen. 380 Kilo schwer und über drei Meter hoch ist das schöne Tier, das nun im Rund des Verkehrskreisels harrt. Am Samstagnachmittag, zur Einweihung des Kunstwerks, pilgerten die Frickerinnen und Fricker zum Kreisel auf der Höhe des Werkhofs und verteilten sich darum herum, während im Hintergrund die Musikgesellschaft Frick festliche Töne anstimmte. Seit vor sechzehn Jahren in der Tongrube von Frick ein fast vollständig erhaltenes fossiliertes Skelett eines Plateosaurus gefunden wurde, ist in der Ortschaft ein wahrer Boom losgetreten worden.

Seit einigen Jahren zieren die zahlreichen Fundgegenstände, die bei Ausgrabungen zu Tage gefördert wurden, gar ein Sauriermuseum. Als stummer Zeuge verwehter Äonen hat der metallene Pflanzenfresser auch die Aufgabe, auf diese Attraktion aufmerksam zu machen.

«Der schönste Kreisel im Kanton»
Gemeindeamman Anton Mösch begrüsste die etwa 300 Anwesenden, die zur Enthüllung der Plastik erschienen waren. Er bedankte sich beim Verkehrs- und Verschönerungsverein Frick, von dem die Saurier-Idee ausging, sowie den Sponsoren. Der mickrige Lautsprecher schaffte es allerdings nicht, die Rede der gesamten Menge zu Gehör zu bringen. Die Hälfte war durch den Verkehrsfluss dazwischen auch akustisch vom Rest getrennt.

Regierungsrat Peter Beyeler freute sich, dass mit dem heutigen Tag der Dinosaurier in leibhaftiger Gestalt wieder in seine Heimat zurückgekehrt sei, obschon sie sich stark verändert habe. Er machte ein paar Ausführungen zur Geschichte des Kreisels, rief einige Analogien zur Welt der Politik in Erinnerung («man dreht sich im Kreise, bis man wieder dort anfängt, wo man begonnen hat») und rief schliesslich aus: «Ich gratuliere zum schönsten Kreisel im Kanton.»

Dann fiel das Verhüllungstuch, und der Verkehr, von der Polizei während der gesamten Zeremonie in Zaum gehalten, stockte nun vollends. Die Besucher strömten zum erstarrten Urvieh hin, zückten ihre Fotoapparate, während im Hintergrund der Paläontologe Hans Rieber von der Universität Zürich die vergangene Zeit aus der Sicht des Wissenschaftlers wieder aufleben liess.