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Basler Zeitung, 23.09.1999

Forscher auf den Spuren der Saurier von Frick

Von: Doris Fischer

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Tagung der Paläontologischen Gesellschaft besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das Sauriermuseum und liessen sich die Besonderheiten der Fricker Tongrube erklären.

Frick. Einen halben Meter unter der grauen Lehmschicht liegen vermutlich eine ganze Menge Skelette von Plateosauriern. Die 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Paläontologischen Gesellschaft stiefeln beim Besuch der Tongrube in Frick auf den fossilen Tieren herum, die seit Jahrzehnten die Autoren von Schulbüchern und Fachzeitschriften gleichermassen beschäftigen wie die Spielwarenhersteller und Filmemacher. Aber den 210 Millionen Jahre alten urtümlichen Tieren - oder besser gesagt den fossilen Resten - passiert nichts, denn sie sind in den graugrünen «oberen bunten Mergeln» (obere Trias) gut geschützt und sogar durch die Abbaumaschinen der Tonwerke Keller AG nicht gefährdet.

Vergleiche ziehen
Etwa 50 Personen der Paläontologischen Gesellschaft aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind anlässlich ihrer Jahresversammlung, durchgeführt von der Universität Zürich, ins Fricktal gekommen. «Ziel ist es, Vergleiche mit anderen Fundorten der verschiedenen Regionen Europas anzustellen und die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse auszutauschen», erklärt der Leiter des paläontologischen Instituts der Uni Zürich, Professor Hans Rieber. Frick gilt dabei als bedeutendster Saurierfundort Europas. 1985 wurde ein vollständig erhaltenes Skelett eines Plateosaurus gefunden, welches nun präpariert im Sauriermuseum in Frick zu besichtigen ist.

«Im Moment wird in der Grube nicht geforscht. «Die Initiative müsste von interessierten Gruppen, beispielsweise der Universität Zürich, aus kommen», ist von Christoph Meyer, dem Vizedirektor der Tonwerke Keller AG zu erfahren. Sehr tolerant ist man von der Werkleitung her auch gegenüber Privatpersonen, Schulen und Hobbypaläontologen, die nach Möglichkeit auf Voranmeldung in der Grube den Hammer schwingen dürfen. «Das macht für uns zwar einen Mehraufwand, schafft aber auch viel Goodwill in der Gemeinde und trägt dazu bei, dass überhaupt so viele interessante Sachen gefunden werden», bestätigt Meyer.

Verschiedene Interessen
Fritz König vom Arbeitskreis Frick ist nicht wegen der Dinosaurier hier. Ihn interessieren die sogenannten Obliqua-Schichten, die im «unteren Jura» (unterer Lias) liegen. Die dortigen Fossilienfunde teilen ihm etwas über die Ökologie dieser Zeitepoche mit. Mikropaläontologie - die Erforschung der fossilen Mikroorganismen - sind das Betätigungsfeld von Jürgen Remane, der seit rund 30 Jahren an der Universität Neuenburg lehrt. Nicht einfach zu finden ist das, was Olga Dietl, Mitarbeiterin am Naturkundemuseum Stuttgart, sucht. Ihr geübtes Auge hat aber dennoch vier kleine Muscheln, sogenannte Brachiopoden, im gelben Kalkstein entdeckt.
Rund zwei Stunden sind die Fachleute im von den letzten Regenfällen aufgeweichten Ton umhergestapft, haben da und dort ein Fossil aus dem Stein geklopft, ein winziges Stückchen aus dem Morast gezogen und im Plastiksack verschwinden lassen oder auch einfach Gedanken mit Berufskolleginnen und -kollegen ausgetauscht.
Die Fauna in der Grube ist eigentlich recht eintönig, und ausser wenigen Resten von Haifischzähnen, Knochenfischen, Lungenfischen und Zähnen von Raubsauriern hat man keine Funde anderer Tiere gemacht. Die grosse Lücke in der Forschung über das Aussehen der ersten Säugetiere kann leider auch die Tongrube Frick nicht schliessen.
Nach einem Imbiss befasste sich die Besuchergruppe am Nachmittag mit den Exponaten im Sauriermuseum und konnte sich über deren Präparation informieren und diskutieren.