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Aargauer Zeitung, 24.05.2007

Neue Grabung nährt Hoffnung auf Saurierfund

Von: Geri Hirt

Internationale Forschergruppe gräbt in der Gruhalde nach Saurierüberresten.

Die Tonwerke Keller AG werden im kommenden Jahr in der Gruhalde eine neue Gesteinsschicht abbauen. Bevor es zum Abbau kommt, sucht eine internationale Forschergruppe unter der Leitung des bekannten Schweizer Paläontologen Ben Pabst nach Saurier-Überresten. «Die Chancen stehen gut», sagte Ben Pabst zur AZ.
Nach Pfingsten werden die Forscher ihre Arbeit in der Fricker Gruhalde aufnehmen. Ein äusserst starkes Interesse an der Grabung haben insbesondere das Naturhistorische Museum Naturalis in Leiden (Holland) sowie die Unversität Bonn angemeldet. Die zwei bis drei Wochen dauernde Grabung wird durch das Museum Naturalis in Leiden finanziert. Man rechnet mit Kosten in der Höhe von 100 000 Franken. Die Forscher hoffen, auf Überreste von Plateosauriern, den ersten grossen pflanzenfressenden Sauriern, zu stossen.

Paläontologe Ben Pabst bezeichnet die in Betracht kommende Gesteinsschicht in Bezug auf Plateosaurierfunde als chancenreich. Aufgrund der Situation in der Gruhalde könne geschlossen werden, dass es vor über 210 Millionen Jahren dort sehr sumpfig war. Die schweren Plateosaurier sind vermutlich in diesem Sumpfgebiet eingesunken. So hat man in diesen Schichten beispielsweise noch nie junge Plateosaurier oder andere Saurierarten entdeckt. Es seien aufgrund dieser Erfahrungen wohl keine Skelette oder Knochen anderer Saurier zu erwarten, dies sei jedoch nicht auszuschliessen, sagte Ben Pabst.

Im Frühjahr 2006 sind in einer wesentlich höher liegenden Gesteinsschicht der Fricker Gruhalde Raubsaurier entdeckt worden. Solche dürften in der zu untersuchenden Schicht kaum anzutreffen sein.

In dieser Grube wird die Forschungsequippe nach Sauriern graben. Der Zutritt ist aus Sicherheitsgründen gesperrt.In dieser Grube wird die Forschungsequippe nach Sauriern graben. Der Zutritt ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. (Photo: Geri Hirt)

Sondiergräben in 2 m Abstand
Geplant sind in der Gruhalde Sondiergräben im Abstand von 2 m von bis zu 50 cm Tiefe. Diese sollen mit dem Kompressor schonend ausgehoben werden. Für eine flächendeckende Untersuchung des Geländes reichen weder die finanziellen noch die personellen Ressourcen, handelt es sich doch um ein Abbaugebiet von 400 bis 500 Quadratmetern. Die Grabung, die unter der Federführung der Saurierkommission Frick durchgeführt wird, steht unter der Leitung von Ben Pabst. Seitens der Uni Bonn wirkt Professor Martin Sander als wissenschaftlicher Berater mit. Dem Grabungsteam gehören verschiedene Studenten und zwei Doktoranden der Uni Bonn sowie einige Studenten aus Holland an. Soweit nötig, werden zudem Mitglieder des Paläontologischen Arbeitskreises Frick mithelfen.

«Ein echter Glücksfall»
Die Präsidentin der Saurierkommission Frick, Gemeinderätin Heidi Birrer, bezeichnete das Zustandekommen der Grabung sowie deren Finanzierung «als echten Glücksfall». Die Details der Grabung sind in einem Vertrag zwischen der Saurierkommission Frick und dem Naturhistorischen Museum Naturalis im holländischen Leiden festgehalten. Die anfallenden Plateosaurier-Skelette oder -Knochen werden durch Fachleute in Leiden präpariert und dem Museum Naturalis als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Spezielle Fundstücke, das heisst Knochen, die nicht von Plateosauriern stammen, bleiben vertragsgemäss in Frick. «Von Plateosauriern verfügen wir nicht nur über ein Skelett, sondern zusätzlich über eine grosse Zahl von Knochen», erklärte Heidi Birrer. Aufgrund dieser Tatsache sei man bereit, die entsprechenden Fundstücke Naturalis zur Verfügung zu stellen. Sollte wider Erwarten nichts zum Vorschein kommen, so werden Naturalis Plateosaurierknochen aus der Notgrabung von 2004 zur Verfügung gestellt. «Dies ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten», kommentierte Kommissonspräsidentin Heidi Birrer.

So darf man mit Spannung auf die Resultate der nächste Woche beginnenden Grabungen warten. (ghi)

 


Plateosaurus - der grösste Pflanzenfresser

Ein Urtier, das bis heute gross und klein fasziniert
Der Plateosaurus (= Platte Echse) wurde bis zu 8 Meter lang und bis gegen zwei Tonnen schwer. Das Tier, das einen kleinen Kopf besass, der auf einem langen Hals sass, ernährte sich von Blattpflanzen, die es mit seinem kräftigen Maul von Bäumen herabzog. Die Plateosaurus gelten als die grössten Pflanzenfresser. Sie lebten in Herden, was den Vorteil brachte, dass die weidenden Tiere einen angreifenden Raubsaurier besser abwehren konnten. Die Plateosaurus waren weltweit verbreitet, was Skelettfunde auf fast allen Kontinenten bestätigen. Vermutlich waren es Schlammlöcher, in die die Tiere eingesunken und dort vor rund 210 Millionen Jahren verendet sind. (ghi)