Sie sind hier: Presse Archiv > 
DeutschEnglishFrancais
19.10.2017 : 14:40 : +0200

Presse Archiv

<- Zurück zu: Presse Archiv

Neue Fricktaler Zeitung, 30.05.2007

Neue Suche nach alten Knochen

Von: Yvonne Zollinger

Neue wissenschaftliche Grabung in der Tongrube in Frick

In der Gruhalde der Tonwerke Keller AG in Frick wieder nach Dinosaurierknochen gesucht. Die internationale Forschergruppe hofft auf weitere Plateosaurier-Funde.

FRICK. Finanziert wird die drei bis fünf Wochen dauernde Grabung zur Hauptsache vom Naturhistorischen Museum Naturalis aus Leiden, Holland. Dafür stehen dem Museum alle Fundstücke, sofern es sich um Plateosaurus handelt, als Leihgabe zu Forschungs- und Ausstellungszweckenzur Verfügung.

«Es macht keinen Sinn, dass wir in Frick die vielen Plateofundstücke horten», sagt die Präsidentin der Saurierkommission Frick, Gemeinderätin Heidi Birrer. Darum gäbe man die Funde gerne nach Holland. Was genau Frick verlassen darf, ist in einem Vertrag mit dem Museum festgehalten. Sollten die Paläontologen auf Überreste stossen, die nicht zu Plateosaurus gehören, müssten diese zwar geborgen werden, blieben jedoch in Frick. Wird andererseits, wider Erwarten, kein Plateo-Fund gemacht, stellt die Saurierkommission Frick Naturalis Plateosaurierknochen aus der Notgrabung von 2004 zurVerfügung. «Dieses Unternehmen ist somit für alle Beteiligten eine Winwin-Situation», ist Kommissionspräsidentin Heidi Birrer überzeugt.

Die Grabung unter der Leitung des Schweizer Paläontologen, Ben Pabst, erfolgt in einer Gesteinsschicht, die mit grosser Wahrscheinlichkeit weitere fossile Knochen des Plateosaurus enthalten wird. Mit Sondiergräben will man das fast 500 Quadratmeter grosse Abbaugebiet in der Tongrube untersuchen. Wissenschaftlich begleitet wird das Grabungsteam, bestehend aus verschiedenen Studenten und zwei Doktoranden, von Professor Martin Sander von der Universität Bonn.

Sander beschäftigt sich schon länger mit den Plateosauriern. Er hatte in einem viel beachteten Artikel im Wissenschaftsmagazin «Science» vom letzten Dezember die These geäussert, dass es sich beim Plateosaurus um keinen reinen Warmblüter handeln konnte. Zu diesem Ergebnis war Sander unter anderem auch durch die Auswertung von Knochenfunden aus Frick gekommen. Bis dahin war man davon ausgegangen, dass Dinosaurier zwar von wechselwarmen Reptilien abstammen, aufgrund der Knochenstruktur aber überwiegend zu den Warmblütern gezählt werden konnten. Plateosaurus aber besass, wie Schildkröten oder Krokodile es heute noch können, die Fähigkeit, mit schnellerem oder langsamerem Wachstum auf Umwelteinflüsse zu reagieren.

Die Tongrube in Frick hat schon mehrfach überraschende Funde zutage gebracht. Zuletzt die sehr gut erhaltenen Handknochen des ersten in der Schweiz gefundenen Raubsauriers, mit deren Auswertung sich zurzeit Wissenschaftler an der Uni Zürich beschäftigen. Mit einiger Spannung werden daher die Ergebnisse der neuen Grabung erwartet. (yzo)

Der Plateosaurier: Nach ihm suchen die Forscher in der Gruhalde.
Der Plateosaurier: Nach ihm suchen die Forscher in der Gruhalde. Foto: NFZ Archiv