Sie sind hier: Presse Archiv > 
DeutschEnglishFrancais
20.8.2017 : 8:04 : +0200

Presse Archiv

<- Zurück zu: Presse Archiv

Neue Fricktaler Zeitung, 16.05.2006

Sensation in Frick: Raubsaurier entdeckt

Von: Martin Binkert

Der Fund ist von europaweiter Bedeutung

Sensation in Frick. In der «Gruhalde» wurden Skelettteile eines Raubsauriers entdeckt. Der Fund ist von europaweiter Bedeutung.

Teilweise präparierte Beckenknochen des Fundes. Foto: Ben PapstTeilweise präparierte Beckenknochen des Fundes. Foto: Ben Papst

Frick. Die Sensation ist perfekt: In der Tongrube Gruhalde der Tonwerke Keller AG, Frick, wurde ein Raubsaurier gefunden. Auf diesen Fund hatte Paläontologe Ben Pabst, Zürich, schon lange gewartet, waren hier doch bereits bei früheren Grabungen einzelne Zähne von Raubsauriern gefunden worden. «Der grösste Zahn, den wir im Museum ausstellen, wurde im Jahr 2004 gefunden», sagte Monica Rümbeli, Leiterin des Sauriermuseums Frick. Dazu kommen noch andere kleinere.

Grosse Seltenheit
Der jetzt gefundene Raubsaurier ist nicht nur der erste in dieser Tongrube, sondern in der ganzen Schweiz. «In Europa wurden bisher nur etwa ein halbes Dutzend solcher Raubsaurier geborgen», streicht Pabst die Bedeutung des Fundes hervor.
Auf die Fundstelle war der Paläontologe durch den Fossilienkenner Markus Fischer aufmerksam geworden. Dieser hatte in einer Trias-Schicht, in der Pabst keine Funde erwartete, einen Zweifränkler grossen rabenschwarzen Knochen gefunden, der sich vor dem hellen Lehm deutlich abhob.

«Darauf sicherten wir in einer überstürzten Grabung während zweier Tage um Ostern diese Stelle.» Letzte Woche konnten ein vollständiges Becken, einige Rippen, 15 Wirbel, ein Teil des Schwanzes und diverse Knochenfunde geborgen werden. «Ich werde nochmals mit einem Presslufthammer nachgraben, doch mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent glaube ich, dass wir alles gefunden haben», meinte Pabst am Samstagabend.

Bereits hat der Wissenschaftler aufgrund kleiner Knochen auch die letzte Mahlzeit des Tieres bestimmt: «Der Raubsaurier, der hier vor 220 Mio. Jahren lebte, hatte ein kleines Reptil gefressen, es könnte eine Eidechse sein.» Dies ergab die Auswertung des Mageninhaltes, in dem kleine Knochen dieses Tieres gefunden wurden.

2,5 Meter lang
«Dieser Raubsaurier hatte eine Länge von zweieinhalb Metern und ging wie alle Raubsaurier auf den Hinterbeinen. Aufgrund von Funden in China gehe ich davon aus, dass auch dieser ein Federkleid zur Isolation trug, auch wenn ich dies aufgrund der Funde nicht beweisen kann.»

Pabst wird das Tier erst nach zwei bis drei Monaten genauer bestimmen können, wenn er in seinem Labor den Fund präpariert hat. «Vielleicht gehört es zum Typ Liliensternus, der in Deutschland gefunden wurde. Diese werden jedoch 4,5 Meter lang. Dann würde es sich um ein Jungtier handeln. Es kann jedoch auch eine andere Art oder sogar eine neue Art sein.»

Absuchen
Der neue Fund der rabenschwarzen Knochen lag in einer hellen Lehmschicht, von der es in der Grube noch viel hat. «Diese bröckelt dauernd ab. Nach starken Regenfällen muss man diese Schicht nach ausgeschwemmten Knochenstücken absuchen. Denn gebaggert wird an dieser Stelle nur noch ganz selten.»

Der neue, sensationelle Fund, über den bereits das Schweizer Fernsehen am Freitagabend in der Sendung «Schweiz aktuell» berichtete, wertet das Sauriermuseum Frick auf. Das Sauriermuseum befindet sich im Untergeschoss des Schulhauses 1912. Im Zuge der bevorstehenden Renovierung des Schulhauses werden auch die Räumlichkeiten des Museums überholt. So wird die Dusche, die früher der Turnhalle diente, herausgerissen und eine zweite Decke eingezogen. «Damit erhalten wir einen grösseren Ausstellungsraum», freut sich Monica Rümbeli. Ideen dafür sind genügend vorhanden: «Dort hat es Platz für eine Schaupräparation und eine neue Ausstellung».

Monica Rümbeli hofft natürlich, dass noch mehr seltene Fossilien in der «Gruhalde» gefunden werden. Sensationell wäre der Fund einer Schildkröte. Doch auch krokodilartige Tiere und weitere Tiere aus dem Umfeld der Saurier wären hoch willkommen, denn sie belegen, in welchem Umfeld die Saurier lebten.
Sollten noch weitere, ausserordentliche Exponate zur Sammlung stossen, lohnt sich der Gedanke, ein neues Museum anzugehen. «Sollte später einmal die «Gruhalde» geschlossen werden, wäre ein Museum mitten in dieser Grube, ergänzt durch eine Live-Grabung unter einem Dach, der Hammer», schwärmt die engagierte Museumsleiterin.

Sauriermuseum Frick
Als einziges Museum der Schweiz zeigt das Sauriermuseum Frick ein vollständiges Skelett des Dinosauriers Plateosaurus engelhardti, das in der Tongrube Gruhalde, Frick, gefunden wurde. Die ersten Funde gehen auf das Jahr 1961 auf den damaligen Laborchef der Tonwerke Keller AG, Ernst Wächli, zurück. Nebst vielen Fossilien ist auch ein sehr gut gemachter Film über die spannende Entdeckungsgeschichte der Fricker Dinosaurier zu sehen. Ein Besuch des Museums ist nicht nur für Einzelbesucher, sondern speziell auch für Familien und Schulklassen lohnend. Für Gruppen werden Führungen angeboten.

Das Sauriermuseum Frick befindet sich im Untergeschoss des Schulhauses 1912 an der Schulstrasse 22 bei der Maschinenfabrik Jakob Müller AG. Das Museum ist jeden
ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen ausserhalb der Öffnungszeiten sind nach Absprache mit Monica Rümbeli (Tel. +41 62 871 53 83) möglich. Weitere Infos: dino(at)sauriermuseum-frick.ch