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Basler Zeitung, 23.03.1999

Aus der Not geboren: Neues Fricker Original-Saurierrelief

 

Im Fricker Sauriermuseum wird schon bald eine weitere grosse Attraktion zu bewundern sein: Ein Relief eines Plateosaurier-Skeletts - und dies aus Originalknochen.

Frick. omü. Das Fricker Sauriermuseum wird im Herbst um eine neue Attraktion bereichert: das Relief eines Plateosaurier-Originalskeletts in einer Länge von fünf und einer Höhe von 2,15 Metern. Präpariert wird dieses Skelett zurzeit im Sauriermuseum Aathal im Zürcher Oberland. Dorthin waren der Gemeinderat Frick, die Saurierkommission und weitere Gäste zu einer Schaupräparation eingeladen.

Murren über Gipsabgüsse
Im Museum begrüsste Gemeinderätin Ruth Picard, die Präsidentin der Fricker Saurierkommission, den Gastgeber, Köbi Sieber, vom Sauriermuseum Aathal und den Präparator und Saurierforscher Ben Pabst vom Paläontologischen Institut Zürich. In ihrer Begrüssung erklärte sie, warum es in Frick neu ein Plateosaurier-Originalskelett geben wird. Mit einem Wort von Schiller könnte man sagen: «Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe.»

Seit Jahren hiess es im Gemeinderat von Frick, die unzähligen Gipsabgüsse, die noch von den ersten Grabungen her stammten, müssten endlich weggeräumt werden. Bauamt, Zivilschutz und Frauenverein warteten schon lange auf mehr Platz. Für die Kommission gab es zwei Möglichkeiten: Rückschaffen der Knochen in die Fricker Tongrube oder Anpräparieren der Knochen, um herauszufinden, um welche Art es sich genau handelte.
Ben Pabst, ein Fan der Fricker Saurierfunde, hörte vom Dilemma und schlug vor, gratis einzelne Stücke anzupräparieren, um herauszufinden, ob das vorhandene Knochenmaterial zu einem Ganzen zusammengefügt werden könne. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass genügend Material für ein Plateosaurier-Skelett vorhanden sei. Offen stand noch die Frage der Finanzierung. Zur grossen Freude der Kommission wurde die Suche nach Sponsoren belohnt.

Zum Projekt referierte Ben Pabst. Die Reliefmontage wurde gewählt, weil sie weniger Platz als eine freie Skelettmontage braucht und weil die Deformation der Knochen in einer Reliefmontage weniger stört. Der Saurier wird in einer rennenden Stellung dargestellt. Dadurch erhält die Montage eine dynamische Wirkung. Die Knochen für die Reliefmontage stammen aus den Grabungen 1988 von Dr. Martin Sander und Earthwatch, einer amerikanischen Freizeitgruppe.

Rund 400 Knochen aus Frick
Die meisten Knochen wurden in tonnenschweren Sedimentblöcken eingegipst und im alten Feuerwehrmagazin gelagert. Aus diesen Blöcken konnte Ben Pabst im Winter 1996/97 etwa 250 Knochen isolieren und härten. Weitere Knochen der Fundstelle sind im Kulturgüter-Schutzraum eingelagert. Insgesamt sind von der Fundstelle zwischen 300 und 400 Knochen vorhanden. Sie stammen von zwei fünf Meter langen Plateosauriern, deren Skelette in alle Einzelteile zerfallen sind. Aus den vorhandenen Knochen lässt sich ein Skelett mit 80 Prozent Originalknochen zusammensetzen.

Fehlendes wird ersetzt
Die fehlenden Knochen können durch solche von anderen Grabungen in Frick oder durch Abgüsse ersetzt werden. Die Montage erfolgte in sechs Blöcken, die frei aufgehängt werden können. Diese bestehen aus einer Grundplatte aus Holz mit PU-Schaum. Die Oberfläche besteht aus Kunststein mit Struktur und Farbe des Originalsteines. An einem Oberschenkel demonstrierte der Präparator, wie die Knochen aus dem Sediment herausgelöst werden. Ein Präparator muss viel Geduld haben und auch den Willen, etwas herauszubringen. Unerlässlich ist eine grosse Fingerfertigkeit.

Im Anschluss an diese Unterrichtsstunde führte der Präparator seine Gäste durch das Sauriermuseum. Es war eine Reise ins Reich der Saurier. Die grosse Ausstellung enthält riesige Dinosaurier, Flugsaurier, Dino-Babys, Urvögel und Fossilien. Auch Funde aus Frick sind vertreten.