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Aargauer Zeitung, 14.10.2005

Neue Saurierknochen in Tongrube gefunden

 

Erfolgserlebnis für die Saurierforscher in Frick: Innerhalb weniger Tage fanden sie über 70 Knochen eines Plateosaurus, der vor rund 210 Millionen Jahren hier lebte.

Knochenfund in der Tongrube Gruhalde (Foto: mz/hot) Knochenfund in der Tongrube Gruhalde (Foto: mz/hot)

Bereits in der ersten, im März 1985 erschienenen Ausgabe der Schriftreihe «Frick Gestern und Heute» verlieh Prof. Dr. Rieber vom Paläontologischen Institut an der Uni Zürich seiner Hoffnung Ausdruck, dass «bei weiteren Grabungen in der Tongrube Frick noch zusätzliche wertvolle Funde gelingen mögen». Und er ergänzte: «Der schönste Fund wäre natürlich ein bisher noch nicht bekannter Saurier, der dann die Kunde in alle Welt hinaus tragen könnte.»

Dies erhofft sich natürlich auch der Leiter des derzeit in der Gruhalde im Einsatz stehenden Grabungsteams, der äusserst erfahrene und international anerkannte Meeresbiologe und Saurierforscher Ben Pabst aus Zürich, der zudem festhält, dass Frick «mit allergrösster Wahrscheinlichkeit der Ort in ganz Europa ist, der innerhalb eines solch kompakten Geländes am meisten Saurierknochen aufzuweisen hat».

Skelett noch unvollständig
Nun, möglicherweise ist das Forscherteam auf dem besten Wege dazu, den bereits 1985 geäusserten Wunsch in absehbarer Zeit Tatsache werden zu lassen, wurden doch innerhalb von einer Woche über 70 Knochen eines 4 bis 5 Meter grossen Plateosauriers gefunden, wie Ben Pabst schilderte. «Ein solches Tier hatte um die 300 Knochen, also haben wir erst etwa einen Viertel gefunden. Wir sind aber überzeugt, noch weit mehr zu finden. Und es wäre natürlich toll, wenn wir ein vollständiges Skelett zusammentragen könnten.»

Die gefundenen Knochen des Plateosaurus mit seinem auffallend langen Hals wurden ziemlich verstreut herumliegend in einer Mulde entdeckt, was laut Ben Pabst darauf schliessen lässt, dass das Tier vor rund 210 Millionen Jahren offenbar im Schlamm der Mulde stecken geblieben ist, sich nicht mehr aus eigener Kraft herausarbeiten konnte und deshalb hier verendete.

Was wiederum die tierischen Räuber anzog, die den toten Saurier auf ihre Weise «bearbeiteten» und die vom Fleisch befreiten Knochen einfach liegen liessen. Bisher wurden unter anderem verschiedene Rippen, der untere Teil eines Schienbeins, ein Schulterblatt und auch ein Schambein sowie eine Kralle eines Plateosaurus gefunden.

Grosse Überraschungen
Unterstützt wird Ben Pabst nebst weiteren Mitarbeitern durch Esther Premru, ebenfalls eine erfahrene und anerkannte Saurierforscherin, die auch davon überzeugt ist, dass die Gruhalde in Frick noch einige ganz grosse Überraschungen verborgen hält, die es zu entdecken gilt, denn: «Schliesslich ist ebenfalls bekannt, dass hier in dieser Region auch grössere Saurier lebten, und ein solch grosses Tier würden wir natürlich auch gerne mal finden.»

Mit grossem Eifer und heller Begeisterung hilft auch Monika Rümbeli, Leiterin des Sauriermuseums, bei den Ausgrabungen mit ? und auch für sie wäre es «das absolut Grösste, wenn wir ein komplettes Skelett von einem bisher noch nicht bekannten Saurier in dieser Region finden würden».

Durch das stufenweise Abtragen des Geländes werde dem unermüdlichen Forschungsteam die Arbeit wesentlich erleichtert. Das unterstrich Ben Pabst und ergänzte: «Es entspricht einem grossen öffentlichen Interesse, die Saurierfunde zu präparieren und der Nachwelt zu erhalten.»

Die Tongrube ist geöffnet
Am Sonntag, 16. Oktober, bietet sich der Bevölkerung von 13 bis 18 Uhr die einmalige Möglichkeit, das Forschungsteam bei der Arbeit in der (sonst abgesperrten) Tongrube Gruhalde zu beobachten. Experten nehmen sich die Zeit, um über Archäologie und ihre Bedeutung zu sprechen. (mz/hot/pbl)