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Aargauer Zeitung, 15.05.2004

Raubsaurier auf den Zahn gefühlt

Von: Walter Christen

Frick Die Fundstelle von versteinerten Riesenechsen aus der Urzeit erwies sich als ergiebig und wertvoll.

Die Notgrabung in der mit versteinerten Saurierknochen durchzogenen Fricker Tongrube erwies sich als ergiebig. Einen Beckenknochen, den Zahn eines Raubsauriers, ein Schulterblatt, Rippen, einen Arm, eine Hand und Kreuzknochen sind die Ausbeute.

Einziges Indiz für das Vorhandensein versteinerter Saurierknochen war eine hellviolette Verfärbung am Steilhang einer Abraumhalde in der Fricker Tongrube. Die aufgebotenen Fachleute begannen diese Woche mit den Grabungsarbeiten (vgl. AZ vom 12. und 14. Mai). Das Aargauer Naturmuseum in Aarau, das Naturama, hatte für eine Notgrabung von drei Tagen die Finanzierung übernommen.

Nun, aus den drei Tagen wurden allerdings deren vier, doch die Ausbeute, das stundenlange Hämmern und Meisseln, hat sich gelohnt: «Wir sind hier mitten in einem Plateosaurierkörper drin - faszinierend, was da alles zum Vorschein kommt», stellte Elmar Meier fest. Er bearbeitete, zusammen mit den Paläontologen Ben Pabst und Esther Premru, die harte Mergelschicht in der Tongrube. Den grössten Teil der rund 8 Tonnen Material schaffte das Team mit einem Elektro-Bohrhammer beiseite (das Notstromaggregat wurde von der Gemeinde Frick zur Verfügung gestellt). Auf der Knochenschicht angelangt, wurde dann mit kleinen Schaufeln, Hammer, Flacheisen, Ahle, Taschenmesser, Bürste und Pinsel weitergearbeitet.

Mehr als 50 KnochenRaubsaurierzahn ist beim Packen der Beute abgebrochen

Raubsaurierzahn ist beim Packen der Beute abgebrochen

Die Fundstelle war ergiebig, barg sie doch über 50 versteinerte Knochen eines Plateosauriers. So den mächtigen Beckenknochen, ein Schulterblatt, zehn Wirbel, drei bis vier Schwanzteile, einen Arm, Fingerknochen, eine Hand mit einer Kralle, Kreuzknochen und zahlreiche Rippen. «Es macht den Anschein, als wäre dieser Plateosaurier noch nicht ausgewachsen gewesen, was an der Form einiger Knochen zu erkennen ist», hielt der Zoologe Ben Pabst der AZ gegenüber fest. Die Plateosaurier waren vor rund 210 Millionen Jahren die ersten riesigen Pflanzenfresser unter den Dinos. Nach heutigen Erkenntnissen war die Tongrube damals eine regelrechte Schlammfalle, in der die schweren, über 4 Meter langen Riesen stecken blieben und qualvoll verendeten. Der Fund eines rund 3 Zentimeter langen Raubsaurierzahns mitten in dem Plateosaurierskelett deutet nach Ben Pabst darauf hin, dass sich der Räuber über den gefangenen Saurier her- gemacht hatte und beim Aufbrechen der Beute den Zahn (wahrscheinlich aber noch weitere, unentdeckte) verloren haben dürfte.

Die Funde wurden sorgfältig geborgen. Ob sie nach der Präparation im Naturama oder im Sauriermuseum in Frick zu sehen sind, ist noch nicht entschieden.