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Neue Fricktaler Zeitung, 20.06.2006

Der grosse Glückstag

Von: Martin Binkert

Michael Fischer fand in Frick einen Knochen eines Raubsauriers

Ein schwarzer Knochen an einem aussergewöhnlichen Fundort löste in Frick an Ostern eine Grabung aus. Gefunden wurde ein Raubsaurier. Michael Fischer hatte den Stein ins Rollen gebracht.

Frick. Michael Fischer, 31 Jahre alt, Gymnasiallehrer in Basel im Fach Geographie, ahnte noch nichts, als er an einem Tag im März in Basel dem Zug bestieg um wie üblich einen seiner Fundorte nach neuen Funden abzuklappern. Denn Fischer ist nicht nur Geographielehrer, zu dessen Ausbildung auch Vorlesungen über Geologie gehörten, er ist passionierter Fossiliensammler. «Das Dynosaurier-Fieber, das auch heute viele Kinder und Jugendliche befällt und meistens wieder abklingt, befiel auch mich als Siebenjähriger. Doch ich behielt diese Faszination. Mit 15, 16 Jahren begann ich aktiv nach Fossilien Ausschau zu halten, knüpfte Kontakte und lernte in der Nordwestschweiz einige Orte kennen, die ich immer wieder besuche und nach Funden absuche.» An der Herbstmesse Basel wird er mit seinen Fossilien wieder wie in den letzten fünf Jahren mit einem Stand vertreten sein.

Ausgerüstet mit einem breitem schwarzen Hut, mit Rucksack, Hammer und weiteren Utensilien für die Bergung von Fossilien, fährt er nach Frick und legt zu Fuss den Weg in die nahe gelegene Tongrube Gruhalde zurück. Hier bauen die Tonwerke Keller AG Ton ab, hier wurden 1961 von Ernst Wälchli, Laborchef der damaligen Tonwerke Frick, eigenartig bläuliche Gesteinsbrocken gefunden, die sich als versteinerte Knochen erwiesen. Bei späteren Grabungen stiess man auf Dinosaurierknochen. Das mustergültig erhaltene Skelett des Dinosauriers Plateosaurus engelhardti machte die Grube und die Gemeinde weitherum berühmt. Dinosaurierknochen dieser Art gibt es noch jede Menge in dieser Grube. Das wissen die Fachleute und das weiss auch Michael Fischer, doch finden sich nur schwer Geldgeber, die Grabungen und die spätere, teure Präparation weiterer Skelette finanzieren. Doch Knochenfunde von weiteren Saurierarten oder anderen Lebewesen wie zum Beispiel einer Schildkröte, fehlen noch in dieser offen zugänglichen Grube. Sie wären in der Tat eine Sensation. Von den auf den Hinterbeinen laufenden zweieinhalb Meter grossen Raubsauriern sind Spuren vorhanden. Einzelne Zähne von Raubsauriern wurden gefunden, der grösste ist im Sauriermuseums Frick ausgestellt. Doch ob Raubsaurer vor 210 Millionen Jahren auch in diesen Sumpf einsanken und versteinert wurden, weiss noch niemand.

Solche und ähnliche Gedanken ihn begleiten ihn, als er vom Bahnhof bis zur Barriere schreitet, diese überquert, dem Weg des ersten und einzigen Dinosauerier-Lehrpfades der Schweiz folgt und über die am Boden liegenden zerbrochenen roten Ziegelsteine der Grube entgegen steigt. Oben rechts befindet sich der öffentlich zugängliche Klopfplatz, etwas weiter links geht es in den abgesperrten Teil der Grube. Dafür braucht es eine Erlaubnis. Vom Paläontologen und Saurierspezialisten Ben Pabst, der hier schon mehrfach grub, erhielt er einen Beobachtungsauftrag. Dies bedeutet, dass er ihm bedeutende Funde meldet.

Michael Fischer kennt diese Grube von früheren Besuchen. Er weiss, wo sich die dunkle Trias-Schicht befindet, in der die 210 Millionen Jahre alten Saurierskelette gefunden wurden. Nach schweren Regenfällen werden immer wieder neue Knochenstücke heraus geschwemmt. Manchmal lassen sich neue Schichten erschliessen, wenn Bagger der Ziegelwerke Ton abgetragen haben. Sein geschulter Blick sucht die hellen und die dunklen Stellen der Grube ab. Auf einmal sieht er auf einer hellen Lehmschicht einen kleinen schwarzen Stein, der sich als versteinerten Knochen erweist. Dieser Fund in der Trias-Schicht Obere Bunte Mergel macht ihn hellhörig. Denn eigentlich, so fährt es ihm durch den Kopf, ist in dieser Schicht gar nichts zu erwarten.

Michael Fischer merkt sich diese Stelle und zeigte diese später Ben Pabst. Der Paläontologe weiss sehr rasch, dass es sich bei diesem Fund um einen ganz speziellen Fund handeln muss. Ziemlich bald folgt eine Sicherungsgrabung. Aufgrund von Regen und Schnee kann der Fund erst einige Wochen später an Ostern geborgen werden. Zwei Tage wird gegraben. Ein vollständiges Becken, mehrere Rippen, 15 Wirbel, ein Teil des Schwanzes, diverse Knochen und der Inhalt des Magens werden geborgen. Jetzt ist klar: Dies ist eine Sensation, hier wurden Knochen des lang ersehnten Raubsauriers gefunden. In ganz Europa gibt es nur gerade sieben dieser Funde. Dazu kommt, dass auch der Fund eines kleinen Reptils im Magen, es könnte sich um eine Eidechse handeln, aussergewöhnlich ist. Die Sensation ist perfekt.

Michael Fischer ist bei der Grabung nicht dabei, doch er freut sich natürlich, dass aufgrund seines Hinweises dieser Fund gemacht wurde, auch wenn er den versteinerten Knochen nicht kannte. «Diese Versteinerung hätte auch ein Knochen in schlechter Qualität sein können.» Sein Kommentar zum Fund ist ganz nüchtern: «Manchmal braucht es eben auch Glück». Allerdings habe er in dieser Schicht aus eigener Beobachtung heraus gesucht. Mit diesem Fund macht er sich unter den Fossiliensammler für immer einen Namen. Wer weiss, vielleicht wird er später im Museum auf einer Tafel speziell erwähnt oder der lateinische Namen der noch zu bestimmenden Raubsaurierart weist auf den Finder hin.

Michael Fischer aus Basel ist ein leidenschaftlicher Fossiliensammler.
Michael Fischer aus Basel ist ein leidenschaftlicher Fossiliensammler.
Ein Hinweis von ihm führte in Frick zur Entdeckung eines Raubsauriers.
Foto: Martin Binkert